Vom 20. bis 26. April fanden die diesjährigen Europameisterschaften in der albanischen Hauptstadt Tirana statt. Bereits im Vorfeld sorgte der Leipziger Bundesstützpunkt für ein Novum. Erstmals wurden drei Athletinnen aus den eigenen Reihen für eine Frauen-Europameisterschaft nominiert. Mit Anastasia Blayvas (KFC Leipzig), Naemi Leistner (RV Thalheim) und Amory Olivia Andrich (SV Luftfahrt Berlin/BSP Leipzig) gingen zudem Sportlerinnen mit realistischen Medaillenambitionen an den Start.
Den Auftakt machte am Mittwoch unsere Olympionikin Anastasia Blayvas. Bereits im Viertelfinale traf die Leipzigerin auf die erfahrene und erfolgreiche Rumänin Ana Beatrcie. Mit einer starken ersten Kampfphase und einer 2:1-Führung zur Pause startete Blayvas vielversprechend in die zweite Hälfte. Allerdings konnte sie dem zunehmenden physischen Druck ihrer Gegnerin nach der Pause nicht weiter standhalten und unterlag schließlich nach Punkten. Da die Rumänin später souverän den Europameistertitel gewann, erhielt Blayvas die Chance auf Bronze. Im kleinen Finale gegen Samoil M. aus Moldawien kontrollierte sie lange das Geschehen. Eine späte Challenge sorgte noch einmal für Spannung, doch am Ende stand ein knapper, aber verdienter 4:3-Punktsieg – und damit die erste Medaille für das deutsche Team.
Am Donnerstag griffen auch Amory Andrich und Naemi Leistner ins Wettkampfgeschehen ein. Amory traf direkt auf die U23-Europa- und Weltmeisterin von 2024, Zhala Aliyeva aus Aserbaidschan. Trotz engagierter Leistung fand sie kein wirksames Mittel und unterlag leider mit 0:4 auf Schultern. Da ihre Gegnerin im Halbfinale gegen die Türkin ausschied, blieb der Berlinerin der Weg in die Hoffnungsrunde verwehrt. Für sie war es nach dem Wechsel in die olympische Gewichtsklasse bis 57 kg die erste internationale Meisterschaft in dieser Kategorie.
Naemi Leistner bestritt in der stark besetzten Klasse bis 62 kg ihre erste Europameisterschaft im Frauenbereich. Bereits in der Qualifikation traf sie auf eine bekannte Gegnerin, die Polin Wojewodzka Nowosad, gegen die sie vier Wochen zuvor bei der U23-EM noch verloren hatte. Diesmal ließ Leistner keine Zweifel aufkommen und gewann überzeugend per Schultersieg (8:1). Im Viertelfinale besiegte sie die mehrfach dekorierte Ungarin Elekes E. (mehrfache EM- und WM-Goldmedaillengewinnerin im Nachwuchs) ebenfalls vorzeitig nach einer starken Offensivaktion. Im Halbfinale musste sich Leistner der amtierenden U23-Europameisterin 2026 Amina Tandelova aus Russland nach Punkten (0:9) geschlagen geben. Doch im Kampf um Bronze zeigte sie erneut ihre internationale Klasse. Gegen die ebenfalls hochdekorierte Aserbaidschanerin Ruzana Mammadova (EM- & WM-Goldmedaille im Nachwuchs) setzte sie sich abgeklärt mit 5:2 nach Punkten durch. Besonders bemerkenswert, Naemi Leistner ließ in diesem Turnierverlauf Gegnerinnen hinter sich, die zusammen bereits über 30 internationale Medaillen gewonnen hatten. Ein eindrucksvoller Beleg für die Leistungsdichte in dieser Gewichtsklasse und ihre außergewöhnliche Leistung bei diesem Turnier.
Fazit:
Zwei Bronzemedaillen und starke individuelle Auftritte machen diese Europameisterschaften zu einem großen Erfolg für den Leipziger Bundesstützpunkt. Teamgeist, Kampfwillen und das Streben nach Spitzenleistungen stimmen optimistisch für die Zukunft.
Einzelergebnisse EM 2026:
55 KG – Anastasia Blayvas – KFC Leipzig
¼ Finale – Punktniederlage 2:8 Blayvas, A. vs Ana, A. Rumänien
Kleines Finale um Bronze – Punktsieg 4:3 Blayvas, A. vs Samoil, M. Moldawien
57 Kg – Amory Olivia Andrich – SV Luftfahrt Berlin
Qual. – Schulterniederlage 0:4 Andrich, A. vs Aliyeva, Z. Azerbaijan
62 Kg – Naemi Leistner – RV Thalheim ‚
Qual. – Schultersieg 8:1 Leistner, N. vs Wojewodzka Nowosad Polen
¼ Finale – Schultersieg 3:0 Leistner, N. vs Elekes, E. Ungarn
½ Finale – Punktniederlage 0:9 Leistner, N. vs Tandelova, A. Russland
Kleines Finale um Bronze – Punktsieg 5:2 Leistner, N. vs Mammadova, R. Azerbaijan

