Am 11. September um 11 Uhr startete in Leipzig für 22 am Bundesstützpunkt trainierende Ringerinnen und einen Ringer sowie Frauenreferentin Silke Schneider rund um das Trainerteam Florian Rau und Daniel Wilde die Reise zum Schüleraustausch und Trainingslager ins südafrikanische Port Elisabeth. Das erste Geburtstagskind unserer Reise wurde um Mitternacht in 10.000 Meter Höhe besungen. Am späten Nachmittag waren alle Teilnehmer wohlbehalten am ersten Etappenziel, in Gqeberha / Port Elisabeth, im Hotelzimmer angekommen. Bereits 30 Minuten später fanden wir uns für die erste Trainingseinheit am Strand ein. Begleitet wurde unsere Gruppe vom Südafrikaner Richard Bode und seiner Familie. Über ein halbes Jahr stand Profilsportlehrer Daniel Wilde mit dem ehemaligen Vizepräsidenten des Südafrikanischen Ringerverbandes in engem Austausch, um die Reise zu planen und kostenoptimal für die Sportler zu ermöglichen, eine Mammutsleistung. Ohne diese lieben Herzensmenschen wäre der Schüleraustausch nicht möglich gewesen.
Am nächsten Morgen, noch vor dem Frühstück, hieß es für die Mädels und Robert, unserem einzigen mitgereisten Ringer, Frühsport am Strand. Als krönender Abschluss durfte sich jeder noch die nötige Abkühlung in den kalten Atlantikwellen verschaffen. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel fuhr unsere kleine Reisegruppe ans Cape Recife, ein bezauberndes Naturreservat an dessen Anfang sich die Tierrettungsstation SANCCOB befindet. Ehrenamtliche Helfer päppeln in Not geratene Seevögel, zumeist Pinguine, auf, um sie danach wieder in ihren normalen Lebensraum zu entlassen. Die Tiere, die nicht mehr in Freiheit überleben können, dürfen ihren Lebensabend in der Station verbringen. Wie wichtig Aufklärung und Artenschutz sind, wird in einer kleinen Ausstellung verdeutlicht. Im Anschluss fuhren wir im Reservat zum Leuchtturm am Thunderbolt Riff direkt am Kap. Weite unberührte Landschaft erstreckt sich entlang der Küste – beeindruckend! Nachmittags waren wir zum Training im ortsansässigen Ringerclub eingeladen. Aus Platzgründen, die Trainingsstätte war eine größere Garage, wurde das anliegende Rugbyfeld kurzerhand zum Training genutzt, für unsere Athleten auch barfuß, da Ringerschuhe oder Adiletten keine Option darstellten.
Die Tage bis zur Weiterreise nach Knysna, unserem 2. Etappenziel, vergingen wie im Flug. Neben den täglichen Trainingseinheiten am Meer, im Fitnessstudio oder auf dem Rugbyfeld, waren wir zum Braai, dem südafrikanischen BBQ, bei unseren Trainingspartnern eingeladen und besuchten den Addo Elephant Park. Auch das 2. Geburtstagskind unserer Reisegruppe erhielt in diesen Tagen nicht ganz alltägliche Geburtstagsgrüße und wurde vom österreichischen Honorarkonsul in Port Elisabeth persönlich beglückwünscht.
Raus aus der Komfortzone oder Grenzen überschreiten, so oder so ähnlich kann man das nächste Highlight unserer Reise betiteln. Auf der Fahrt nach Knysna legten wir an der Bloukrans Bridge einen Zwischenstopp ein. Sie gilt mit ihren 216 m Höhe als zweithöchste Bungee Jumping Brücke der Welt. Wer sich traut, darf springen. Mir persönlich wurde schon beim Anblick der Brücke flau im Magen. Und dennoch hatten acht Mädels, Robert und Daniel den Mut, sich fallen zu lassen. Der Rest des Teams schaute aus sicherer Entfernung dem Spektakel anerkennend zu. Ein Erlebnis, das uns alle bewegt hat.
Im beschaulichen Brenton-On-Sea / Knysna schlugen wir für weitere fünf Tage unsere Zelte auf. Neben den täglichen Trainingseinheiten am Meer, einer Bootsfahrt zum Whale-Watching , Surfunterricht oder einer Tour ins Robberg Nature Reserve mit anspruchsvoller Wanderung in rauer Kulisse und felsigem Terrain um die Halbinsel, standen auch Teambuilding-Maßnahmen auf dem Programm. Wir waren in vier Ferienhäusern untergebracht – Daniel, Florian und Robert bei Familie Bode, die schier im Paradies lebt. Für die Planung und Zubereitung des Abendessens für alle Mitreisenden sind alle „Häuser“ einmal verantwortlich gewesen. Gegessen wurde dann oft gemeinsam bei Bodes. Diese lieben Menschen haben uns aufgenommen wie gute alte Freunde. Ihr Haus stand für jeden Einzelnen von uns immer offen. Wir verbrachten die Abendstunden zumeist bei Spiel und guten Gesprächen in ihren Räumen. Selbst an ihrem Geburtstag verbrachte Richards Frau Caren die Zeit beim südafrikanischen Bowling mit uns, was für uns eher Ähnlichkeit mit Boccia als mit Bowling hat und im Freien gespielt wird. Die Zeit verging zu schnell und allem war beim Abschied umso schwerer ums Herz.
Unser drittes und letztes Etappenziel hieß Cape Town. Der Kontrast vom malerischen Brenton zur pulsierenden Metropole holte uns jäh in die raue Wirklichkeit zurück. Kilometerlang erstrecken sich vor Kapstadt die Barackensiedlungen der Ärmsten der Armen entlang der Autobahn bis hin zu den Pforten der Stadt. Unser Hotel lag am Bloubergstrand, einer ruhigen Urlaubsgegend mit Blick auf den Tafelberg, den Atlantik und Robben Island. Ähnlich wie in Port Elisabeth standen neben den täglichen Trainingseinheiten am Strand auch zwei Trainingstage mit einheimischen Wrestlingclubs auf dem Programm. Die Kontakte hatte Richard hergestellt, der es sich nicht nehmen ließ, zum Training zu uns zu stoßen. In der bescheidenen Trainingshalle trainierten mit uns bis zu 20 Sportler aus dem Club auf einer Matte. Auch hier ist das Geld knapp, man nutzt, was da ist. Entschuldigend sagte ein Verantwortlicher „Wrestling is not Rugby“ – genau wie in Deutschland, eine Randsportart eben, nur, dass da die Möglichkeiten am Rand noch geringer sind. Das hielt jedoch keinen davon ab, sein Bestes zu geben und die Stunden zu unvergesslichen Erlebnissen zu machen. Vor dem ersten Training hatten unsere Mädels und Robert zusammen mit Florian und Daniel in Windeseile den Tafelberg bestiegen, 650 Höhenmeter auf knapp drei Kilometer und wieder zurück in vier Stunden. Am Heritageday stand nach dem Sport Kultur auf dem Programm. Das MOCAA – Museum of Contemporary Art Africa – in Kapstadt, ein aus einem alten Getreidesilo entstandenes Museum der modernen Kunst, hatte an dem Tag freien Eintritt. Die Ausstellungen sind voller Impressionen, die erlebt werden müssen, mit Worten nicht im Ansatz zu fassen. Das Gebäude steht dem in nichts nach. Auch am letzten Tag mussten alle noch einmal raus aus der Komfortzone. Auf einem afrikanischen Markt musste gefeilscht und gehandelt werden was das Zeug hielt. Jeder wollte ein Schnäppchen machen und für seine Lieben ein Souvenir mitnehmen.
Einen Fingerschnipp später saßen wir auch schon im Flugzeug und traten die Heimreise an. Wer sich mehr Input von den vielen großen und kleinen Erlebnissen und Eindrücken wünscht, dem bleibt nichts weiter übrig, als direkt bei den Mädels, Robert, Florian und Daniel oder auch bei mir nachzufragen und unseren Erzählungen zu lauschen. Für mich waren die Tage am anderen Ende der Welt gespickt mit atemberaubenden Impressionen. Ich danke euch allen für die schöne Zeit. Noch meine Urenkel werden Geschichten von den Tagen am Kap der Guten Hoffnung Gehör schenken können.

